Archive for Mai. 2012

Spanferkel-Maultaschen

Harald ist Koch und Gastronom aus Leidenschaft. Und er ist großzügig.
Damit meine ich nicht nur seine Großzügigkeit gegenüber anderen. Er hat ein riesiges Herz und kann einfach nicht anders als XXXL. Die Portionen, die bei ihm serviert werden, sind dreimal so groß wie in anderen Restaurants (es schmeckt auch dreimal so lecker). An nur einem Stück seiner berühmten Himbeerquarksahne-Torte kann sich eine vierköpfige Familie satt essen. Und wenn er einen guten Wein im Kühlschrank hat, was eigentlich immer der Fall ist, dann schenkt er ihn quasi eimerweise aus. Vor ein paar Tagen telefonierten wir miteinander. Da war er gerade dabei, Maultaschen zu produzieren. Natürlich sind auch die mindestens doppelt so groß, wie handelsübliche.

Gestern waren die Bedingungen für ein rustikales Essen ideal: Nasskalte 12° C., Wind und Regen. Wir saßen in dicken Pullovern in der Küche und überlegten, ob wir eine Kartoffelsuppe oder einen deftigen Eintopf machen sollten. Aber das hätte Stunden gedauert. Also haben wir einen Stich Butter und etwas Olivenöl in die Pfanne getan und Harald’s Bio-Maultaschen mit einer köstlichen Füllung angebraten: Spanferkel aus artgerechter Haltung, Sellerie, Karotten, Salz und Pfeffer, sehr wenig Melisse, Dill, Schnittlauch, Knoblauch, Zwiebeln und Paprika. Dazu ein Glas Auxerrois vom Weingut Klumpp in Bruchsal. Einfach nur köstlich.

Übrigens: Harald betreibt nicht nur ein Restaurant, eine Gartenwirtschaft und ein Gästehaus. Er hat auch einen Hofladen, wo man diese Maultaschen und andere Spezialitäten einkaufen kann. Für diejenigen, die im Badischen wohnen, lohnt sich der Weg auf alle Fälle: Johanneshof.de  Aber denken Sie unbedingt an genügend Platz im Kofferraum. Sie wissen schon: Einkaufen geht hier auch nur XXXL.

Lammcarré im Kräutermantel

 

Kein wirklich neues Rezept: Lamm im Kräutermantel. Man findet es in den unterschiedlichsten Variationen. Mit Schäumchen oder ohne; sogar mit Ketchup oder Sojasauce. Kochbücher, Zeitschriften und Rezeptblogs sind voll davon. Dennoch, oder gerade deshalb. Dieses hier ist ein Solitär und stammt aus einer Zeit, als in Restaurants noch Köstlichkeiten wie Hummercocktail, Ragout fin, Schildkrötensuppe, Chateaubriand oder Tournedos Rossini serviert wurden. Der Unterschied liegt im Detail. Das Fleisch wird am Knochen gebraten. Die Fettschichten werden nicht chirurgisch entfernt, sondern sorgen für ein tiefes Aroma. Und die Kruste ist raffiniert. Probieren Sie es aus! Die Zubereitung ist vergleichsweise einfach und die Gäste schwärmen für immer. Vertrauen Sie mir, ich mache das seit 35 Jahren… ;-)

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Ein perfekter Abend (mit Wachteln)

Es war eine arbeitsreiche Woche gewesen: die üblichen Kundentermine, lange Telefonate, Sitzungen, Marketingplanungen, Berichte, Analysen, über 1.000 gefahrene Kilometer, wenig Schlaf… Meine Lust, etwas Leckeres zu kochen war am Freitagabend auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Auf der Fahrt nach Hause ging ich meine Optionen durch. Irgend etwas bequemes: Käsebrot? Ein schneller Teller Pasta vielleicht? Ein paar Cracker und ein Weißbier? Meine Stimmung änderte sich schlagartig, als ich die Haustür öffnete: Ein zarter Duft nach Gewürzen und feinem Bratenfleisch strömte mir entgegen. Kalbsschnitzel? Hühnchen? Jedenfalls stand fest: Madame hatte gekocht! “Schnell, setz’ Dich – es ist alles fertig” rief sie vergnügt und reichte mir ein Glas Weißburgunder vom Winzerhof Stahl zur Begrüßung. Dann öffnete sie den Backofen und holte eine Schale mit vier knusprig-braunen Wachteln heraus, die sie mit etwas Lardo und frischen Kräutern überbacken hatte. Dazu ein paar geschmolzene Tomaten und Karotten mit brauner Butter. Was für eine Begrüßung! “Hör’ endlich auf zu fotografieren” mahnte sie mit leichtem Nachdruck. Recht hatte sie ja, also legte ich die Nikon zur Seite. Das Wochenende konnte beginnen.

Linsen und Räucherlachs-Terrine

mit leichter Tomatenvinaigrette

Dieses wunderbare Gericht bekam ich nur ein einziges Mal serviert, und zwar im Explora Hotel Salto Chico, Patagonien. Ich bin ein großer Anhänger der chilenischen und peruanischen Küche und kriege nie genug von Caldillo, Ceviche, Empanadas, Tamales oder Pachamanca. Meeresfrüchte und frischer Fisch aus dem Pazifik oder aus den klaren Gletscherseen Patagoniens gehören dort ganz selbstverständlich auf den Speisezettel. Sogar Pablo Neruda widmete der Küche Chiles eine Ode und machte sie auf diesem Weg unsterblich. Ich befinde mich also in allerbester Gesellschaft.

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