Über den Autor
Ich werde häufig gefragt, warum ich über Essen und Trinken schreibe. Wohl auch, weil das Kochen (sowie das Schreiben darüber und das Fotografieren) unglaublich viel Freizeit in Anspruch nimmt. Außerdem: Es gibt doch schon zig Kochbücher, Food-Blogs, Wein-Blogs und Restaurantführer (von denen viele überflüssig oder schlecht oder beides sind). Warum also noch ein Food-Blog? Meine Antwort ist einfach und zugleich ein Zitat aus »Ratatouille«, diesem wunderbaren Zeichentrickfilm über eine Gourmet-Ratte: „Ich liebe nun mal gutes Essen“. Und ich liebe es zu kochen, so wie andere Leute es lieben zu tanzen, oder zu verreisen, oder zu streiten…
Aber es ist mehr als das. Ich schreibe ja nicht nur über Essen oder Trinken! In meinem kulinarischen Tagebuch geht es um Genuss und Nachhaltigkeit. Über Lebens- und Esskultur. Über Neugierde und Leidenschaft. Über lohnenswerte Hotels und Restaurants. Über gute Produkte oder Produzenten, die mit Mut, Ehrgeiz, Können, Passion und vor allem viel Liebe zum Produkt arbeiten.
Und wenn ich über all diese Themen schreibe, dann schreibe ich auch über den Hunger und über die Liebe. Und über den Hunger nach Liebe und Zufriedenheit. Nicht umsonst heißt es „Liebe geht durch den Magen“. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Essen in den meisten Fällen auch Nahrung fürs Herz ist, um den ungezügelteren, nachdrücklicheren Hunger zu stillen. Essen muss jeder, nur WIE ist die Frage. Wenn man mit dem Partner, der Familie oder mit Freunden gemeinsam an einem Tisch sitzt, wenn das Brot gebrochen und der Wein getrunken wird, dann geht es um mehr als nur um die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse. Es geht um sinnlichen Genuss und um Entschleunigung im Alltag. Auch darum, Verantwortung zu übernehmen. Politische. Gesellschaftliche. Menschliche.
Fürs Protokoll: Ich betrachte mich selbst nicht als Blogger. Ich publiziere und schreibe seit 25 Jahren zum Thema Essen, Trinken, Genuss, Reisen und Hotels, teils beruflich, teils privat. Die Arbeit eines Bloggers ist viel persönlicher und verrät dem Leser oft viele Details aus dem Privatleben des Schreibers. Aber ich kenne die süchtig machende Wirkung des Online-Schreibens nur allzu gut. Die Tatsache, dass es keine räumlichen und zeitlichen Grenzen gibt, dass man keinen Verleger und keinen Drucker braucht, sowie die Tatsache, dass jede Publikation unmittelbare Reaktionen bei den Lesern hervorrufen kann, macht einen Großteil des Charmes dieses Mediums aus.
Der große John Irving hat es folgendermaßen ausgedrückt: ” Wenn man vorsichtig ist, wenn man gute Zutaten verwendet und nichts ausläßt, dann kann man im allgemeinen etwas sehr Gutes kochen. Manchmal ist das, was man zu essen macht, das einzige Lohnende, was man einem Tag abgewinnen kann. Beim Schreiben kann man, wie ich feststelle, ebenfalls die richtigen Zutaten haben, sich viel Zeit nehmen und sehr vorsichtig sein, und es kommt trotzdem nichts dabei heraus. Gilt übrigens auch für die Liebe. Deshalb kann das Kochen jemanden, der sich Mühe gibt, vor dem Durchdrehen bewahren.”
(aus: “Garp und wie er die Welt sah”)
Das ist meine Antwort auf die Frage: Warum schreibst Du über Essen und Trinken?
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Cyriacus Schultze, geboren 1961 in Mannheim, studierte Informatik und BWL in Karlsruhe, Buenos Aires und New York. Nach 25 Berufsjahren in der IT Branche, der Weinbranche und der Nahrungsmittelproduktion arbeitet er heute als Geschäftsführer eines Weinguts und verantwortet dort die Bereiche Hotellerie und Gastronomie. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist Cyriacus Schultze nicht nur Kenner in Sachen Wein und Kulinarik, sondern vor allem Gastgeber aus Leidenschaft. Er arbeitet freiberuflich als Vortragsredner, engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für Terra Madre und Slow Food , leitete zwischen 2006 und 2012 das Slow Food Convivium Rhein-Neckar und unterstützt das Bergwaldprojekt.
Links:
Weingut & Restaurant Heitlinger
Slow Food Rhein-Neckar




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