Zwiebelsuppe ohne Tränen

 

Ich liebe diesen Klassiker der französischen Küche: Zwiebelsuppe, am besten stundenlang in einem großem Topf leise vor sich hinköchelnd, während der aromatische Duft durchs ganze Haus zieht. Aber, um ganz ehrlich zu sein, die Zubereitung ist mir ein Graus. Jedes mal, wenn ich mehr als eine Zwiebel schneiden muss, heule ich wie ein Schlosshund und keiner der bekannten Tricks (Zwiebeln vorher in den Kühlschrank, Wasser in den Mund, scharfes Messer, brennende Kerze daneben, Taucherbrille) hilft wirklich. Praktische Hilfe kam dann vor einiger Zeit von einem befreundeten Koch in Form eines Tipps, der gleich mehrere Vorteile hat: Intensives Aroma, Zeitersparnis und keine Tränen.

Zwiebelsuppe ist eine der markantesten und beliebtesten Gerichte der klassischen Französisch Küche – ideal für kalte Herbst- oder Winternächte, begleitet von einem guten Glas Wein und vielleicht kurz vor einem Nickerchen am brennenden Kamin.

Es gibt eine überlieferte Geschichte, die besagt, dass die Zwiebelsuppe auf Ludwig XV zurückzuführen sei. Nach ihrer Rückkehr von einer längeren Jagd hatten die Aristokraten einen Riesenhunger, doch die Küche des Jagdschlosses gab nicht mehr her als Brot, Butter, Zwiebeln und Champagner. Aus dieser meisterhaften Kombination soll dann die erste Zwiebelsuppe entstanden sein. Eine hübsche Anekdote, doch ist es wohl eher so, dass dieses einfache, nahrhafte und günstige Gericht seinen Ursprung in den Armenviertel um Lyon hat. Der Geschmack indes ist wirklich königlich, auch ohne Champagner.

Zwar gibt es viele Rezeptvariationen, doch halte ich die „Soupe a l‘oignon gratinée traditionelle des Halles de Paris“  für die Beste von allen. Drei Eigenschaften sollte eine überbackene Zwiebelsuppe haben: Einen tiefgründigen Geschmack, der beim Karamellisieren der Zwiebeln und beim Einkochen entsteht, eine gute Brühe als Basis (Kalb oder Gemüse! Rinderbrühe hat zu viel Eigengeschmack und lässt den Zwiebeln keinen Raum Aroma zu entfalten) und ordentlich viel Käse zum gratinieren. Hier ist das Rezept:


REZEPT ZWIEBELSUPPE  (für ca. 6-8 Personen)

Zutaten:

– 1,5 kg Zwiebeln
– Butter
– Zucker, grobes Meersalz, Salz, Muskatnuss und frisch gemahlener Pfeffer
– 5 Knoblauchzehen
– 0,5 l Weißwein
– 2 l Kalbs- oder Gemüsebrühe
– 2 Lorbeerblätter
– frisch gewürfeltes Weißbrot oder Baguette
– 600 g geriebenen Comté, Gruyere oder Emmentaler



 

Schritt 1: Ofen auf 200° C. vorheizen. Zwiebeln schälen, in Hälften schneiden und auf ein Backblech legen. Die Zwiebeln mit einem kleinen Stück Butter belegen und einer Prise Zucker bestreuen. Ca. 30 Minuten im Ofen backen, bis sie seidig glänzen und sich hier und da dunkle Stellen gebildet haben. Eventuell die Zwiebeln von Zeit zu Zeit wenden, damit sie gleichmäßig bräunen. Aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

 

 

Schritt 2: Eine Gemüse- oder Kalbsbrühe ansetzen, die geschälten Knoblauchzehen und die Lorbeerblätter hinzugeben und das Ganze ca. 45 Minuten kochen. Gemüse entfernen und die Brühe durch ein Sieb passieren.

 

 

Schritt 3: In der Zwischenzeit die dunklen Schalenstellen entfernen und die Zwiebeln in dicke Ringe schneiden.

 

 

In einem großen Topf die geschnittenen Zwiebeln und den Weißwein gemeinsam aufkochen. Der Wein weitestgehend verdunsten lassen (wir wollen nur den Geschmack, nicht den Alkohol) und dann mit der Brühe auffüllen. Kurz aufkochen lassen und dann mindestens 45 Minuten auf leiser Flamme simmern.

 

 

Schritt 4: Den Grill im Ofen auf mittlere Stufe stellen. In feuerfeste Suppenschalen einige Weißbrotstücke legen, mit Weißwein beträufeln (nicht ertränken!), die Zwiebeln daraufgeben, mit Suppe auffüllen, mit einer Weißbrotscheibe abdecken und zum Schluss mit Käse auffüllen.

 

 

Schritt 5: Die Suppenschalen in den Ofen stellen und ca. 3-4 Minuten goldgelb überbacken und heiß genießen.

zwiebelsuppe_gratiniert

 

Bon Appétit!


 Weinempfehlung: Weissburgunder Kranachberg – Peter Skoff, Südsteiermark – eine perfekte Kombination!

 Tipp: Wer viele Gäste – jedoch nicht die Zeit hat, die vielen Suppenschalen hintereinander in einem Ofen zu gratinieren, kann die Baguettescheiben einzeln mit Butter bestreichen, kurz vor dem Servieren zusammen im Ofen überbacken und dann auf den Suppenschalen verteilen. Sieht nicht ganz so hübsch aus, ist aber zweckmäßig…

 

 

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4 Kommentare
  1. Oh, ja, Zwiebelsuppe. Ewig nicht gehabt. Schöner Blog, den ihr da habt – man merkt, dass ihr Ahnung vom Thema habt. Aber warum gibt es nur so selten Beiträge?

    1. Vielen Dank für das Lob 🙂 Der Grund ist recht einfach: Die Produktion, also Schreiben und Fotografieren, nehmen viel Zeit in Anspruch. Neben Vollzeitjob und Familienvaterpflichten ist einfach nicht mehr zu schaffen (Seufz!). Also geht es nur „SLOW“! Der Blog ist ja – um es bildlich auszudrücken – kein Sprint, sondern ein Marathonlauf…

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